Man lernt nie aus …

Seminar in Caputh… das könnte das Motto gewesen sein für unser Seminar zum Thema „Seniorenpolitik“,
das von der dbb akademie vom 07. bis 08.November 2010 (auf Wunsch der Seniorenvertretung beim dbb berlin) im Märkischen Gildehaus  / Caputh am Schwielowsee durchgeführt wurde.

Konnte ich schon aus dem angenehmen Veranstaltungsrahmen im Märkischen Gildehaus mit der wunderschönen Aussicht auf den Schwielowsee, dem gemütlichen Restaurant und den zweckmäßigen Konferenzräumen auf eine gute Fortbildungsveranstaltung hoffen, so gab auch die Liste der Referenten Anlass zur Vorfreude.

Zum Auftakt referierte der Bundesseniorenvorsitzende der DPVKOM, Herr Günter WEIDIG aus Ottweiler, zum Thema „Was tut der dbb für Senioren?“. Er gab einen Überblick über den weitgespannten Rahmen der Arbeit des dbb und der Tarifunion auf politischer, gesellschaftlicher, und gesetzgeberischer Ebene – Aktivitäten, die letztlich auch den Senioren zugutekommen. So ist eines der Ziele des dbb die Angleichung der Zahlbeträge in den neuen Bundesländern an die der alten Bundesländer, die Angleichung der Renten Ost/West. Herr Weidig wies besonders auf die zunehmende Tendenz der Altersarmut hin, die nicht zuletzt die Folge daraus ist, dass bereits jeder 5. Arbeitsplatz im Niedriglohnsektor liegt. Das betrifft vor allem Frauen, so dass seine erschreckende Erkenntnis lautet: „Die künftige Altersarmut ist weiblich“! Um auch im europäischen Bereich vor Ort  auf Gesetzesvorhaben usw. Einfluss nehmen zu können, betreibt der dbb in Brüssel eine Außenstelle mit elf Personen. Nach Aufzählung und Beschreibung all‘ dessen, was der dbb für seine Mitgliedschaft tut, und anhand der Beschreibung der aktuellen Beteiligung von Senioren in den Vorständen und Gremien sowohl des dbb als auch seiner Mitgliedsverbände, kam der Referent zu dem Fazit:„Die Senioren haben beim dbb (noch) nicht die Lobby, die sie haben müssten“.

Der zweite Referent des ersten Seminartages war Herr Gregor Hoffmann (CDU), Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin. Sein Thema lautete:
„Seniorenpolitische Forderungen zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses“. Die allgemein übliche Erklärung, Seniorenpolitik sei die Sozialpolitik für ältere Menschen, genügt Herrn Hoffmann nicht. Vielmehr ist er der Ansicht, dass es bei der Seniorenpolitik um die bessere Beteiligung von Menschen ab 50 in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft geht. Kompetenzen, Fähigkeiten und Beiträge Älterer müssten ebenso erkannt, gefördert, genutzt und gewürdigt werden, wie bei jüngeren Menschen; insbesondere im Hinblick auf den demografischen Wandel gewinne das zunehmend an Bedeutung.
In seinem Referat behandelte er ausführlich
- die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und dessen aktive Mitgestaltung,
- Planungssicherheit und Verlässlichkeit der sozialen Sicherung der Lebensverhältnisse der Menschen in der zweiten Lebenshälfte,
- Generationengerechtigkeit und - politische Mitgestaltung.
Die Bereiche „Teilhabe am Ehrenamt“ und „Zugang zum lebenslangen Lernen“ schnitt Herr Hoffmann nur kurz an, weil er besonders zu diesen Themen unsere Meinung hören wollte

Sehr interessant war für mich das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage (außer in Berlin) „Alters-Zufriedenheit“  durch das Deutsche Zentrum für Altersfragen für die Jahre 2002 bis 2008. Danach sagten im Jahre 2002 von den Menschen in der  2. Lebensphase 48 % aus, dass sie eher zufrieden sind, 37 % waren zufrieden. Im Jahre 2008 waren 50 – 63 % der Befragten mit ihrem Leben zufrieden! „Die Zufriedenheit ist kontinuierlich gestiegen, sie wächst zudem mit zunehmender Hochaltrigkeit (auch bei Krankheit).“ Zu den für Ältere wichtigen Themen stellte Herr Hoffmann die seniorenpolitischen Forderungen zur Abgeordnetenhauswahl vor, die nach Einschätzung der CDU-Fraktion die wichtigsten sind. Er meint, dass im Land Berlin insgesamt ein umfassendes Geriatriekonzept fehlt. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Berliner Abgeordneten –  hiermit meine ich die Damen und Herren aller Fraktionen - auch nach der Wahl 2011 weiterhin so stark für die Menschen über 50 interessieren. Angesichts der demografischen Entwicklung, also dem rasant wachsenden „alten“ Wählerpotential, wäre das wohl nicht zuletzt in ihrem ureigensten Interesse!

Zum Auftakt des 2. Seminartages gab Herr Matthias WARNKING  vom dbb Berlin einen aktuellen Überblick über die Alterssicherungssysteme
in unserem Lande (Gesetzliche Rentenversicherung, Beamtenversorgung, Betriebliche Altersvorsorge, Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst, Alterssicherung der Landwirte, Berufsständische Versorgungswerke – selbständige Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte usw. -). Zu den einzelnen Systemen berichtete er über deren Ansprüche, Finanzierung durch Umlage-Verfahren oder Kapitaldeckung. Neu war für mich, dass die Geburtenrate in Deutschland nach Spanien, Italien und Japan die viertniedrigste der Welt ist. Stellt man dem entgegen, dass im Jahre 2050 bei uns voraussichtlich ein sehr großer Teil der Bevölkerung über 85 Jahre alt sein wird, kann einem angst und bange werden um die Alterssicherung unserer Kinder und Enkel! Da fällt es für mich auch nicht mehr ins Gewicht, dass unsere Beamten sogar noch eine zwei  Jahre höhere Lebenserwartung haben als der Rest unserer Bevölkerung …

Das Abschlussreferat hielt Frau Heidemarie Fischer, Vorsitzende der Landessenioren- Vertretung Berlin. Kernpunkt ihrer Darlegungen:„Wir Senioren wollen ernst genommen werden, denn unser Anteil an der Gesellschaft wächst“. Sie berichtete über die – bisher leider erfolglosen – Bemühungen, das Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz nach 4jähriger Praxiserprobung zu aktualisieren und zu verbessern. So ist z.B. für die Landesseniorenvertretung wie auch für die bezirklichen Seniorenvertretungen eine Neuordnung der Modalitäten der für das nächste Jahr anstehenden Neuwahlen besonders wichtig. Es müssen mehr ältere Mitbürger/innen zum Wählen aktiviert werden, um den Seniorenvertretungen größeres Gewicht zu geben. Leider stoßen die hierzu erarbeiteten Vorschläge (Versendung der Unterlagen und Wahlen der Seniorenvertretungen gemeinsam mit den Wahlen der Bezirksverordnetenversammlungen, Zulassung der Briefwahl und/oder „fliegende Wahlurnen“) bisher ebenso auf taube Ohren bei den politisch Verantwortlichen wie die Forderung der Seniorenvertretung beispielsweise nach einer soliden finanziellen Ausstattung, ein arbeitsfähiges Büro, eine sinnvolle Nachrückerlösung (in der Reihenfolge des Wahlergebnisses ohne Bevormundung oder Entscheidung durch den jeweiligen Bezirksstadtrat).
Aber: Wir lassen uns nicht entmutigen, wir wollen auf Dauer keine Bittsteller sein, sondern die im Gesetz vorgesehenen Rechte vorbehaltlos zugestanden bekommen. Wir wollen mitwirken, weil die Gesellschaft im demografischen Wandel ist. Wenn ein großer Schritt nicht möglich ist, dann machen wir eben viele kleine Schritte. Wir bleiben am Ball!

Mein Fazit: Auch wenn mir ein Teil der vorgetragenen Fakten bekannt war, so habe ich doch viel Neues erfahren. Vieles wurde aktualisiert, geradegerückt oder in einen neuen Zusammenhang gestellt, nicht zuletzt durch die fachkundigen Diskussionsbeiträge der Seminarteilnehmer/innen. „Lebenslanges Lernen“ bleibt für mich angesagt!

Gisela Fröbe
Vorsitzende der Seniorenvertretung
beim dbb berlin