Der im Bildungsbericht 2008 beschriebene drohende Mangel an pädagogisch qualifizierten Lehrkräften wird vom Berliner Senat weiterhin ignoriert, stellte der Landesvorsitzende des dbb berlin, Joachim Jetschmann, zwei Monate nach Vorlage des Berichts fest.
In dem von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebenen Bildungsbericht 2008 sind die Mitglieder der Autorengruppe des Bildungsberichts aus namhaften wissenschaftlichen Einrichtungen zu dem Ergebnis gekommen, dass „innerhalb der nächsten 15 Jahre voraussichtlich die Hälfte der derzeitigen Lehrkräfte an Schulen in den Ruhestand gehen wird“. Hierauf hat der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, in der Berliner Morgenpost hingewiesen.
„Diese Lehrkräfte durch pädagogisch, psychologisch, fachlich und fachdidaktisch qualifiziertes Personal zu ersetzen, ist eine besondere Herausforderung an die Bildungspolitik“, wird von der Autorengruppe Bildungsberichterstattung hervorgehoben.
„In Berlin sind keine Anzeichen dafür erkennbar, dass der Bildungssenator sich diesem politischen Problemfeld widmet“, so der Landesvorsitzende des dbb berlin. „Nach wie vor hangelt sich der Bildungssenator konzeptionslos von Schuljahr zu Schuljahr, um lediglich den aktuellen Personalbedarf qualvoll zu decken“, führte Jetschmann weiter aus.
Da der Berliner Senat seit Jahren auf eine Verbeamtung der Lehrkräfte verzichtet und Lehrkräfte im Arbeitnehmerverhältnis gegenüber ihren Fachkollegen in anderen Bundesländern finanziell erheblich benachteiligt sind, verschärfen sich die Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung in Berlin zunehmend.
Der dbb berlin fordert den Senat auf, zusammen mit den Bildungsgewerkschaften im dbb - beamtenbund und tarifunion - berlin eine langfristig wirkende Konzeption zur Deckung des großen Personalbedarf im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung sowie des großen Ersatzbedarfs an pädagogisch qualifizierten Personal an Schulen zu erstellen.
„Für den dbb berlin hat die Einstellung der neuen Lehrkräfte als Beamte eine besonders hohe Priorität, um im Wettbewerb mit den Personalgewinnungskonzepten der anderen 15 Bundesländern im nächsten Jahrzehnt bestehen zu können“, erklärte Jetschmann.