Hauptversammlung der dbb bundesfrauenvertretung in Lübeck
dbb bundesfrauenvertretung fordert: „Mehr Frauen in Führungspositionen“

Die dbb bundesfrauenvertretung hat sich auf ihrer Hauptversammlung in Lübeck am 18. September 2009 für einen höheren Anteil weiblicher Führungspersönlichkeiten in politischen Entscheidungspositionen ausgesprochen. „Weibliche Führungskompetenz ist ein Qualitätsmerkmal, auf das unsere Gesellschaft nicht länger verzichten kann“, sagte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung. Um Frauen den Weg in Führungspositionen zu ermöglichen, müssten  die bestehenden Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen beseitigt werden. „Noch immer verdienen Frauen im Schnitt ein Viertel weniger als Männer und das, obwohl sie die gleiche Arbeit verrichten. Wenn wir Frauen den Weg in Führungspositionen ermöglichen wollen, dann müssen wir auch die Entgeltverschiebungen gerade rücken. Denn wenn es darum geht, wer für die Kindererziehung zu Hause bleibt, entscheidet meist der Taschenrechner. Und nichts, das belegen die Statistiken, ist schädlicher für den beruflichen Aufstieg einer Frau als eine Arbeitsunterbrechung im karrierefähigen Alter zwischen 30 und 40“, so Helene Wildfeuer.

Belegt wird dies durch eine aktuelle Untersuchung des Statistischen Bundesamtes. Am 8. September 2009 wurde erstmals eine Untersuchung vorgelegt, die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen im öffentlichen Dienst und der freien Wirtschaft vergleichbar machen soll. Die dbb bundesfrauenvertretung begrüßt die Herangehensweise der Politik, die Entgeltungleichheit zwischen den Geschlechtern statistisch zu belegen. „Diese Statistik ist ein erster Schritt hin zur geschlechtergerechten Statistik“, sagte Helene Wildfeuer. Gleichzeitig warnte sie davor, die vorliegenden Zahlen unkritisch hinzunehmen: „In der vorliegenden Statistik werden Teile des öffentlichen Dienstes mit der Privatwirtschaft verglichen. Doch ist ein solcher Vergleich angesichts der unterschiedlichen Bezahlungsstrukturen wirklich haltbar?“

Der Studie zufolge erhalten weibliche Tarifbeschäftigte und Beamte etwa sieben Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. In der freien Wirtschaft liege der Lohnabstand bei rund 23 Prozent. Als einen Grund für den deutlich geringeren Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen im öffentlichen Dienst nannte das Statistische Bundesamt die rechtlich geregelten Besoldungs- und Tarifstrukturen.
 
„Die Gleichstellungsgesetze und das gesetzliche Verdienstgerüst zeigen ihre Wirkung. Aber dennoch muss auch der öffentliche Dienst seiner Vorbildfunktion in Sachen geschlechtergerechte Bezahlung gerecht werden. Dazu gehört es, insbesondere Frauen – auch in Teilzeit – Führungspositionen in allen Bereichen zu ermöglichen“, betonte Wildfeuer. Mit Blick auf die anstehenden Dienstrechtsreformen in den Ländern forderte sie die Politiker auf, die Leistungsfeindlichkeit von familienbedingten Erwerbsunterbrechungen zu beseitigen, die vor allem Mütter im karrierefähigen Alter trifft. „Die Schaffung von flexiblen Ganztagsbetreuungsangeboten für Kinder und familienfreundlichen Qualifikationsangeboten sowie diskriminierungsfreie Beurteilungen sind die Mindestvoraussetzung, um Chancengleichheit im öffentlichen Dienst optimal zu realisieren“, so Wildfeuer.
 
Anke Schwitzer, Vorsitzende des dbb schleswig-holstein, nannte die familienbedingte Arbeitsunterbrechung als einen Grund für den niedrigen Frauenanteil unter den Führungskräften. “Frauen haben die gleichen beruflichen Chancen wie Männer und dennoch sind sie in politischen Entscheidungspositionen immer noch unterrepräsentiert. Wenn wir das ändern wollen, dann müssen wir auch die nötigen Rahmenbedingungen schaffen“, betonte Schwitzer. Insbesondere forderte sie die Einrichtung von dienstnahen Betreuungsangeboten und flexible Arbeitszeiten für alle Arbeitnehmerinnen und -nehmer im öffentlichen Dienst und darüber hinaus. Schwitzer: „Nur wenn öffentliche und private Arbeitgeber gemeinsam an einem Strang ziehen, kann sich in der Gesellschaft etwas bewegen.“