Frauenkonferenz 2008: „Wir müssen höllisch aufpassen!“

Helene WildfeuerDie Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung Helene Wildfeuer hat die Teilnehmerinnen der Frauenkonferenz des dbb berlin am 13. Oktober 2008 vor nachlassendem frauenpolitischen Engagement gewarnt. „Wir müssen höllisch aufpassen!“ appellierte Wildfeuer unter Hinweis auf eine Vielzahl immer noch ungelöster Gleichstellungsprobleme. Insbesondere dürften sich flexible Arbeitszeitmodelle, die weit überwiegend von Frauen genutzt werden, um Beruf, Familie, gewerkschaftliches Engagement und Weiterbildung zu  verbinden, nicht negativ auf den beruflichen Werdegang der Betroffenen auswirken. Auch bei Beurteilungen dürfe Teilzeitbeschäftigung kein Makel sein. Wildfeuer kündigte zur Unterstützung der Frauenvertreterinnen vor Ort die Herausgabe eines Leitfadens durch die dbb bundesfrauenvertretung an, der Diskriminierungsfallstricke im Zusammenhang mit einer leistungsorientierten Bezahlung aufzeigen soll.

Zur besseren Durchsetzung der frauenpolitischen Interessen forderte die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung verstärkte weibliche Präsenz in den dbb Beschlussgremien. Damit dort ein der weiblichen Mitgliederzahl entsprechender Frauenanteil erreicht wird, ermunterte sie die Frauen zur Kandidatur für Wahlämter bzw. zur Unterstützung der Frauen, die sich um ein gewerkschaftliches Amt bewerben.

Kirsten LühmannMit der Schlüsselrolle, die den Frauen aller Voraussicht nach bei der Entschärfung des drohenden Nachwuchsmangels im öffentlichen Dienst zukommen wird, setzte sich die stellvertretende dbb Bundesvorsitzende Kirsten Lühmann bei der Berliner Frauenkonferenz auseinander. Allerdings setze eine künftige höhere Erwerbsbeteiligung der Frauen ein weitgehendes Umdenken voraus, wenn sie nicht mit weiterem Geburtenrückgang verbunden sein soll. Die „Rush-Hour“ des Lebens, in der Frauen sich in einem sehr kurzem Zeitraum für Ausbildung, Berufseinstieg, Familie und Kinder entscheiden müssen, sei nicht nur deutlich zu verlängern, sondern auch durch flankierende Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu entschärfen. Zugleich müsse Schluss sein mit einem Eingruppierungsrecht, bei dem typische Frauentätigkeiten generell unterbewertet werden,  und anderen Diskriminierungen von Frauen am Arbeitsplatz. Lühmann forderte die Ablösung weitgehend männlicher Strukturen durch gemischt-geschlechtliche, die unter anderem - wie Untersuchungen belegen - auch auf Führungsetagen zu den besten Ergebnissen führen.

Weiteres Thema der Frauenkonferenz unter dem , wie die Vorsitzende der Frauenvertretung des dbb berlin, Gabriele Dietrich, schon bei der Eröffnung der Veranstaltung feststellte, weit gespannten Motto „Weiblich – vielseitig – betroffen war die Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung in Berlin. Joachim JetschmannDer Berliner dbb-Chef Joachim Jetschmann forderte die Vertragspartner der entsprechenden Dienstvereinbarung „Gesundheit“ auf, Strategien für deren Umsetzung zu erarbeiten. Die Dienstvereinbarung erstreckt sich u.a. auf die Arbeitsplatzgestaltung und auf das soziale Umfeld wie Personalführungsstruktur, Kommunikation, Anerkennung und Wertschätzung sowie Konflikt- und Anti-Mobbing-Strategien. Bei der Aufgaben- und Arbeitsorganisation werden unter anderem die Themenfelder Arbeitszeit, Teamarbeit, Jobrotation, alters- und alternsgerechte Arbeitszeitgestaltung erfasst. Schließlich gehören auch personenbezogene Maßnahmen wie Stärkung der Verantwortungsübernahme des Einzelnen, Abbau von psychischen Fehlbelastungen, Zeitmanagement, Nichtrauchertraining, Suchtberatung und Sportangebote zu den Handlungsfeldern.
Durchsetzbar sind diese weitreichenden Ziele nach Ansicht des von Jetschmann auch nur durch eine erweiterte Schulung  sowohl der Gesundheitskoordinatoren als auch der Beschäftigtenvertreter und der Führungskräfte. Bemängelt wurde von Jetschmann darüber hinaus die fehlende Budgetierung des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Schließlich seien weitere Analysen der Berliner Krankheitsquote für ein wirksames Gesundheitsmanagement erforderlich.

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