Rückblick auf den 10. dbb bundesfrauenkongress 2010

Das Motto, unter dem der bundesfrauenkongress 2010 durchgeführt wurde, lautete "Gleich – Ungleich – Gerecht?!" – Neue Perspektiven für mehr Chancengerechtigkeit im Berufsleben. Aus dem gesamten Bundesgebiet waren für zwei Tage knapp 500 Delegierte angereist, um eine neue Geschäftsführung zu wählen und das neue Arbeitsprogramm der dbb bundesfrauenvertretung für die nächsten fünf Jahre abzustimmen und fest zu legen. Zum Start des Kongresses wurde im Rahmen einer Öffentlichkeitsveranstaltung über die politischen und gesellschaftlichen Perspektiven von Chancengerechtigkeit und Gleichstellung diskutiert.

Insbesondere Frau Prof. Jutta Allmendinger (Präsidentin des WZB Berlin) überzeugte in ihrem Vortrag mit vielen Zahlen und interessanten Schlussfolgerungen. So machte sie hinsichtlich der bekannten Unterschiede im Entgeltniveau darauf aufmerksam, dass diese noch nicht berücksichtigten, dass Frauen durch Teilzeitarbeit de facto weitaus weniger verdienen würden. Die Einkommensschere entstehe vor allem in den Jahren, in denen Frauen üblicherweise Kinder bekommen. Eine dramatische Folge der Entgeltungleichheit seien unterschiedliche Niveaus bei der Altersversorgung. Dass Frauen im Jahr 2010 mit dem Heiratsmarkt immer noch besser fahren als mit dem Arbeitsmarkt, empfand Allmendinger als unzumutbar. Sie verwies hierbei auf einen Vergleich von Witwenrenten mit Erwerbsrenten von Frauen. Das Ziel sei insgesamt schon lange nicht mehr "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", sondern "Gleicher Lohn für vergleichbare Arbeit". Dabei müsste auch das Lohnniveau in typischen Frauenberufen angehoben werden. Abschließend stellte sie fest: "Wir brauchen keine Gesellschaft, in der wir Arbeit mit nach Hause nehmen, sondern eine in der wir Kinder mit in die Arbeit nehmen können."

Die Bundesvorsitzende Helene Wildfeuer forderte in ihrer Rede, die faktische Gleichstellung von Männern und Frauen im Berufsleben und zwar unter Berücksichtigung der unabänderlichen Tatsache, dass Frauen Kinder bekommen und Männer nicht, ein. Denn die Realität sei weiterhin eine andere. Entgeltungleichheit und ein sehr geringer Anteil von Frauen in Führungspositionen seien leider ein Beleg hierfür. "Eltern- und Pflegezeiten dürfen sich nicht negativ auf die Erwerbsbiographien von Frauen auswirken", so die Forderung der Vorsitzenden. Sie nahm aber auch die Männer in die Pflicht. Schließlich könnten auch diese Erziehungszeiten in Anspruch nehmen.

Arbeitgeber und Politik müssten die Rahmenbedingungen und das Angebot schaffen, um Wahlfreiheit für die Betroffenen zu garantieren. "Meine Herren und Damen Politiker, zeigen Sie Mut! Schaffen Sie Visionen für die Zukunft! Bereiten Sie Frauen den Weg in die Führungsetagen. Öffnen Sie neue Wege in den Bezahlungssystemen. Passen Sie die sozialen Strukturen an die Bedürfnisse von weiblichen Beschäftigten an."

In der anschließenden Arbeitstagung des bundesfrauenkongress wurde dann Helene Wildfeuer mit überwältigender Mehrheit wieder zur Bundesvorsitzenden gewählt. Als neue Stellvertreterin wurde Jutta Endrusch vom Verband Bildung und Erziehung gewählt. Astrid Hollmann (VRFF) und Ute Wiegand-Fleischhacker (dbb Hessen) wurden als Beisitzerinnen wiedergewählt. Elke Janßen (GdS) und Elke Stirken (komba) wurden erstmalig als Beisitzerinnen gewählt.

Die bisherige stellvertretende Vorsitzende Eva Hermanns (komba) und die Beisitzerin Kirsten Lühmann (DPolG) hatten aus persönlichen Gründen auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Sie wurden zu Ehrenmitgliedern der dbb bundesfrauenvertretung ernannt.

In der Arbeitstagung wurden dann knapp 150 Anträge und fünf Entschließungen beschlossen, mit denen die Arbeit der neuen Geschäftsführung für die nächsten fünf Jahre inhaltlich näher bestimmt wurde.

Leider fiel ein dunkles Licht auf den bundesfrauenkongress durch die anstehende Spar-Klausur der Bundesregierung. Zu befürchten ist hier eine Kürzung insbesondere bei den Familien (z.B. Kürzung des Elterngeldes). Diesen Bestrebungen heißt es nun geschlossen entgegen zu treten, da sie gesellschaftspolitisch fatal wären.

Berlin war durch zahlreiche stimmberechtigte Delegierte und auch Gastdelegierte auf dem Kongress vertreten. Hier ein Foto von einigen Teilnehmerinnen: